Die Komplizenschaft von Geld und Macht ist ein wesentliches Merkmal der autokratischen Regierung von Donald Trump. Finanzielle Interessen bestimmen selbst den US-Überfall auf Venezuela und den politischen Druck auf Grönland. Die Liste der Milliardäre auf entscheidenden Posten ist lang: Howard Lutnick (Handelsminister und Finanzkapitalist), Scott Bessent (Finanzminister, Hedgefonds-Manager) oder Linda McMahon (Bildungsministerin, World Wrestling Entertainment) und Steve Witkoff (Sondergesandter Naher Osten und Ukraine-Verhandler, Immobilien-Entwickler) gehören dazu. Andere haben als Berater im Weißen Haus Zugang zu Trump. Dazu zählen Tech-Pioniere wie Marc Andreessen und Ben Horowitz (Venture Capital Investoren) oder Peter Thiel (Palantir- und Paypal-Mitgründer). Und natürlich Elon Musk

Im November 2024 haben die meisten Wähler und auch Wählerinnen ohne Collegeabschluss für Trump und nicht für die demokratische Kandidatin Kamala Harris gestimmt, obwohl das wichtigste Thema dieser Menschen die wirtschaftliche Lage war. Jetzt kann man beobachten, wie Oligarchen und Investmentmilliardäre den Staat zulasten der Bevölkerung plündern. Der parteilose progressive Senator Bernie Sanders formulierte das auf seiner „Fighting Oligarchie“-Tour so: „Noch nie zuvor in unserer Geschichte hatten so wenige so viel Reichtum, während so viele Amerikaner zu kämpfen hatten. Noch nie haben so wenige so viel politische Macht in ihren Händen gehalten.“

taz: Herr Lazonick, steuern die USA angesichts des Einflusses von Milliardären im Weißen Haus auf eine postöffentliche Welt zu, in der die Regierung lediglich ein Werkzeug ist, das für private Interessen genutzt werden kann?

William Lazonick: Ja, genau das beobachten wir. Aber das System ist schon lange vor Trump gekippt.

taz: Was genau kippte vor Trump?

Lazonick: Das Sozialmodell, das sich nach dem Zweiten Weltkrieg in vielen Ländern entwickelt hat, sah vor, dass Unternehmen die Gewinne aus dem von ihnen geschaffenen Wert mit den Menschen teilen, die diesen Wert schaffen – also ihren Mitarbeitern. Obwohl es immer viel Kritik an Unternehmen gab, wurde ein hoher Lebensstandard für die Mittelschicht geschaffen, selbst in den USA, die unter den kapitalistischen Volkswirtschaften die extremste Einkommensungleichheit aufweisen. Seit den 1980er Jahren ist die Beteiligung der Beschäftigten an den Gewinnen aus der Produktivität und Rentabilität der Unternehmen verschwunden. Die Reichen haben die Unternehmen geplündert. Die progressiven Kräfte in den Vereinigten Staaten sollten die Aufmerksamkeit auf die Plünderung der Unternehmen lenken, aber sie tun dies nicht.

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    • copacetic@discuss.tchncs.de
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      2 days ago

      “It’s not that we’re evil,” you say helplessly, “it’s that… well, you see, it’s not that anyone wanted to kill those babies, it’s just the way the System ended up, somehow…” –Inadequate Equilibria

      Dieses konkrete Problem, dass die USA Baby sterben lassen, wurde inzwischen behoben. Das abstraktere Problem ist aber, dass komplexe Systeme (wie ein Gesundheitssystem) alle möglichen Nebenwirkungen hat, die niemand beabsichtigt hat. Das soll keine Entschuldigung sein, aber es braucht keine bösen Absichten um böse zu handeln.

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        2 days ago

        Sorry, das hätte ich besser aufschlüsseln müssen. Das Problem mit Blei im Körper ist nicht, dass du daran stirbst, sondern dass der Intellekt nachweislich und dauerhaft deutlich sinkt, vor allem bei Exposition im Kindesalter.