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    23 hours ago

    Ich werbe hier einfach mal für eine weitere Perspektive. Ich bin Arbeitgeber, das stimmt, aber ich bin das einfach aus der Motivation heraus, dass ich selbst keine Lust mehr auf “die” hatte und mich daher selbstständig gemacht hab. Nach wie vor arbeite ich für andere, mit dem Unterschied, dass mir wiederum weitere Menschen helfen. Die sind dann “meine” Arbeitnehmer. Aber wir sitzen mehr im selben Boot als ich mit irgendwelchen Großindustriellen oder was auch immer da das personifizierte Feindbild ist.

    Warum kann ich den Status so nicht leben, wie ich ihn mir erarbeitet habe und wie er sich für mich richtig anfühlt? Warum muss am Ende immer die Pleite stehen oder die Aufgabe? Ich halte das echt für zu einseitig, denn sieh es mal so: wenn wir immer in den Topf mit den anderen geworfen werden, dann haben wir alle zum Feind und keine Lobby. Ich profitiere überhaupt nicht von irgendwelchen Lockerungen der Arbeitszeit oder Krankheitsvorschriften, weil wenn man wenig Mitarbeiter hat, dann geht es zu allererst darum, dass diese sich gut fühlen, weil es extrem teuer und zeitintensiv ist, neue Mitarbeiter zu finden. Also kümmert man sich darum und tritt in den konstanten Dialog, zum Vorteil beider Seiten, die am Ende die gleiche sind. Ich will nichts anderes als mit anderen arbeiten, ohne von einem Arbeitgeber abhängig zu sein und wieder andere haben andere Motive, aber nicht alle davon müssen automatisch gegen die Arbeitnehmer sein. Einfach etwas mehr Zusammenhalt wäre hier schön und nicht alle gleich als böse Plantagenbesitzer verteufeln, die einfach nur diesem Hamsterrad ein wenig entkommen möchten.

    Fun fact: ich war lange Zeit in meiner eigenen Firma nicht der Bestverdienende, weil ich das unangemessen fand und ich hab es erst anpassen müssen, als mir das angeraten wurde, damit das Finanzamt mir keinen Betrug (wie auch immer der hätte stattfinden sollen) anmaßen kann.

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      22 hours ago

      irgendwelchen Großindustriellen oder was auch immer da das personifizierte Feindbild ist

      Du musst dich mal von diesem Feindbild-Ding trennen. Man muss Kapitalisten nicht von ihrem Kapital trennen, weil sie so böse Menschen sind, denen man nichts gönnt, sondern weil sie sich selbst und alle um sie herum unglücklich machen in einer Zerstörungsspirale die im Endstadium das ist, was wir jetzt gesellschaftlich sehen und noch sehen werden. Das sind historisch-materialistische Kräfte die das System, wenn man es aufbaut wie unseres in diese Richtung treiben, keine fiesen Individuen die ihren Bart zwirbeln und in ihrem dunklen Turm finster lachen.

      Warum kann ich den Status so nicht leben, wie ich ihn mir erarbeitet habe und wie er sich für mich richtig anfühlt?

      Kannst du ja. Treibt halt die Gesellschaft in den Ruin. Und es kann immer nur der Ruin sein, weil das System nicht darauf ausgelegt ist ein kleines, funktionierendes Unternehmen in seinem homöostatischen Zustand der Nachhaltigkeit zu belassen. Du wächst entweder und strebst, oder du wirst von den wachsenden und strebenden überrollt.

      Ich profitiere überhaupt nicht von irgendwelchen Lockerungen der Arbeitszeit oder Krankheitsvorschriften, weil wenn man wenig Mitarbeiter hat, dann geht es zu allererst darum, dass diese sich gut fühlen, weil es extrem teuer und zeitintensiv ist, neue Mitarbeiter zu finden. Also kümmert man sich darum und tritt in den konstanten Dialog, zum Vorteil beider Seiten, die am Ende die gleiche sind. Ich will nichts anderes als mit anderen arbeiten, ohne von einem Arbeitgeber abhängig zu sein und wieder andere haben andere Motive, aber nicht alle davon müssen automatisch gegen die Arbeitnehmer sein.

      Ich hatte doch exakt dieses Beispiel des noch nicht entsolidarisierten Kleinunternehmers gebracht. Dann wächst deine Firma ein bisschen weiter und du übernimmst auf einmal mehr die Entscheidungen und Kundenakquise als die reguläre Arbeit. Dann wächst deine Firma ein bisschen weiter und die Beschäftigten hätten gerne einen Betriebsrat, und das ist noch genau der Mitarbeiter mit dem du nicht so gut kannst. Fieser Betriebsrat, ich stehe doch total auf der Seite meiner Arbeitnehmer, was brauchen diese undankbaren Säcke einen Betriebsrat!? Dann wächst du ein bisschen weiter und es treten ein paar deiner Beschäftigten einer Gewerkschaft bei, evtl. gibt es einen Warnstreik. Immer noch so undankbar obwohl es der Firma so gut geht, du hattest ja erst ganz von selbst Gehaltserhöhungen beschlossen, die fast die Inflation ausgleichen, was mehr ist als jede andere Firma hier zahlt!? Du wirst dann von einem Unternehmerverband kontaktiert, die über Kanäle erfahren haben, dass deine Mitarbeiter mit der mit ihnen konkurrierenden Gewerkschaft liebäugeln, hier sind ein paar Beispiele, wie dein Unternehmen kaputt gehen kann wenn man nur diesen fiesen geschäftsschädigenden Gewerkschaften erlaubt Fuß zu fassen. Und das wäre ja auch zum Leid deiner Mitarbeiter, weil dann hätten sie keinen Arbeitsplatz mehr. Und so weiter und so fort.

      Du kannst dir jetzt einreden, dass das nie du sein wirst, oder dass das ein unrealistisches Beispiel ist, aber wir kennen den Endzustand dieses Systems, wir wissen wohin das führt: Amerika. Die sind nicht “einfach anders”, die sind uns einfach ein bis zwei Jahrzehnte in diesem Prozess voraus. Und du musst dir wirklich, wirklich eingestehen, dass auch wenn du super-integer und unkorrumpierbar durch Erfolg und Reichtum bist und dir das Wohl deiner Mitarbeiter über alle Stadien deines Unternehmens ehrlich am Herzen liegen wird, du dennoch, wenn auch indirekt, davon profitieren wirst wenn die Lobby den Arbeitsmarkt dereguliert (nichts anders ist es). Du wirst es leichter haben problematische Mitarbeiter, bei denen alles Verhandeln und Gespräche führen nichts hilft, zu entlassen. Du wirst es einfacher haben in schlechten wirtschaftlichen Lagen (von denen es die kommenden Jahrzehnte viele geben wird), zum Wohl deines Unternehmens, die Schraube ein klein wenig anzuziehen. Das einzugestehen und wahrzunehmen macht dich nicht zum Feind, sondern resistenter dagegen tatsächlich in diese oben beschriebene Schiene zu fallen.

      Wenn wirklich alles was du sagst stimmt, dann hast du keinen Grund hier reflexartig dagegen zuargumentieren. Dann kannst du eingestehen, dass dieses System, wie es ist, trotz guten Unternehmern wie dir, fehlerhaft ist und wir alle besser dran wären wenn es keine Unternehmen/Betriebe im Privatbesitz gäbe.

      • aaaaaaaaargh@feddit.org
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        14 hours ago

        In erster Linie lasse ich mir ungern Schlussfolgerungen in den Mund legen, insbesondere nicht, wenn sie auf Glaubenssätzen beruhen, die mich nicht überzeugen - das verstehst du sicher, denn ich denke, du würdest das auch nicht wollen. Gleichermaßen halte ich nichts davon, was ich geschrieben habe, für reflexartig, sondern wir sind lediglich im Dissenz über einige Dinge.

        Ich halte es für unrealistisch und vor allen Dingen nicht nachhaltig, Systeme zu sprengen, mit denen man nicht zufrieden ist. Man kann auch innerhalb eines als antagonistisch interpretierten Systems alternativ agieren und das ist - anders als von dir suggeriert - nicht ein automatischer Todesstoß für den Versuch. Du kannst dich ja umgekehrt auch gern fragen, was wohl nützlicher ist, dagegen sein oder aktiv anders handeln.

        Ich weiß nicht, ich bedaure irgendwie, dass du so viele freie Annahmen benötigst, um deine Sicht der Dinge zu verargumentieren, weil du, wie mir scheint, meinesgleichen nichtsdestotrotz als etwas per se schlechtes erachtest oder etwas, das gerade im Embryostatus einer bösen Entität zu sein scheint. Das kann man so sehen, aber halt auch nur, wenn man da viele Vorurteile hat oder in Schubladen denkt. Ich teile deine Ansicht überhaupt nicht, dass die Lösung zu mehr Gerechtigkeit in der Verstaatlichung sämtlicher Bestrebungen liegt. Ich hätte indes gern mehr Chancengleichheit für kleine Unternehmen, mehr Motivation, die eigenen Ideale und Visionen in diesen zu manifestieren, anstatt sie direkt mit dem gleichen Maß zu messen, das man (zu Recht) großen Figuren in diesem Spiel gegenüber anbringt. Nicht alle sind per se Egoisten und nicht jeder wird automatisch böser Kapitalist. Das weiß man meist erst so richtig, wenn man sich einmal auf diesen Weg begibt und spürt, wie dornig er ist. Trotzdem bleiben manche von uns einfach Idealisten und daran ist nichts verkehrt.

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          4 hours ago

          als etwas per se schlechtes erachtest oder etwas, das gerade im Embryostatus einer bösen Entität zu sein scheint.

          Nicht alle sind per se Egoisten und nicht jeder wird automatisch böser Kapitalist.

          Ich glaub du hebst hier was auf ne moralische ebene die dein gegenüber gar nicht aufmacht. Dein gegenüber beschreibt nur die Mechanismen und Anreize die in unserem System ganz einfach existieren. Das hat erstmal keine moralische Wertung.

          Es wurde ja sogar explizit gesagt, dass man Kapitalisten von ihrem Kapital trennen muss weil das eben nicht alles böse Schnurrbart zwirbelnde Bösewichte sind, sondern weil das System so gebaut ist, dass die Auswirkungen so sind wie sie sind.